PISA-Studie 2025 NRW: Was die Ergebnisse für Eltern in Herne bedeuten
News · · von Nadia Chaht, M.Ed.
PISA 2025 und Bildungsmonitor: NRW schneidet schwach ab. Was heißt das für Ihr Kind? Einordnung, Übungen für die Herbstferien und Fragen für den Elternsprechtag.
Die PISA-Studie 2025 zeigt für Deutschland die niedrigsten Werte seit Beginn der Erhebung im Jahr 2000, und NRW landet im INSM-Bildungsmonitor 2026 auf Rang 14 von 16 Bundesländern. Das ist ein Befund über das Schulsystem, nicht über Ihr Kind. Ob bei Ihrem Kind Basiswissen in Mathe oder Lesen fehlt, erkennen Sie an konkreten Beobachtungen im Alltag. Die Herbstferien und der Elternsprechtag sind dafür der richtige Moment.
Das Wichtigste in Kürze
- PISA 2025: Im OECD-Durchschnitt sanken die Leistungen zwischen 2015 und 2025 im Lesen um 28 Punkte (rund eineinhalb Schuljahre) und in Mathematik um 22 Punkte (gut ein Schuljahr).
- Bildungsmonitor 2026: NRW belegt Gesamtrang 14 von 16, bei der Schulqualität Rang 15.
- Landtag, 17.09.2026: Ministerin Feller will den Kurs („Schulkompass 2030“) halten. SPD und FDP fordern Sofortprogramme.
- Durchschnittswerte sind keine Diagnose für Ihr Kind. Fehlendes Basiswissen erkennen Sie an Alltagsbeobachtungen.
- Herbstferien (17.–31.10.2026): 10–15 Minuten täglich reichen für einen guten Start. Am Elternsprechtag helfen gezielte Fragen.
Was sagt die PISA-Studie 2025 für NRW und Deutschland aus?
PISA ist die Schulleistungsstudie der OECD. Sie untersucht 15-Jährige und fragt, wie gut diese ihr Wissen auf Probleme des Alltags anwenden können. 2025 nahmen laut OECD mehr als 760.000 Jugendliche aus 91 Ländern und Volkswirtschaften teil. Schwerpunkt waren die Naturwissenschaften, getestet wurden auch Lesen und Mathematik.
Die wichtigsten Ergebnisse im OECD-Durchschnitt:
- Lesen: minus 28 Punkte zwischen 2015 und 2025, etwa eineinhalb Schuljahre.
- Mathematik: minus 22 Punkte, etwas mehr als ein Schuljahr.
- Leistungsschwach: Ein Fünftel der 15-Jährigen ist in allen drei Bereichen leistungsschwach. 2022 waren es 16 %.
- Naturwissenschaften: zwischen 2022 und 2025 stabil.
Die OECD nennt den Lesetrend „besonders besorgniserregend“, weil Lesekompetenz Grundvoraussetzung für das Lernen in allen anderen Fächern ist. Für Deutschland berichten WDR und WELT von den niedrigsten Kompetenzwerten seit Beginn der Erhebung im Jahr 2000. Schulministerin Dorothee Feller sagt, Deutschland liege im internationalen Vergleich nur noch im Mittelfeld.
Ein weiterer Befund betrifft alle Familien: Die soziale Herkunft bleibt ein starker Faktor für den Bildungserfolg. Im OECD-Vergleich erzielten begünstigte Jugendliche in Naturwissenschaften 85 Punkte mehr als benachteiligte. Feller sagt dazu: „Bildungserfolg darf nicht von der sozialen Herkunft abhängen.“
Was sagt der Bildungsmonitor 2026 über NRW?
Der INSM-Bildungsmonitor ist keine Schulleistungsstudie, sondern ein Ländervergleich aus wirtschaftlicher Sicht. Das Institut der deutschen Wirtschaft untersucht darin 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern. Die Daten stammen überwiegend aus 2023 und 2024. Spitzenreiter ist erneut Sachsen.
| Bereich | NRW-Befund |
|---|---|
| Gesamtranking | Rang 14 von 16 |
| Schulqualität | Rang 15; Neuntklässler zeigen unterdurchschnittliche Kompetenzen in Mathe und Naturwissenschaften |
| Bildungsausgaben je Grundschüler | 8.100 Euro (Bundesschnitt: 9.000 Euro), aber 2020–2024 um rund 29 % gestiegen |
| Zeiteffizienz | Rang 4; nur 1,2 % verspätete Einschulungen (Bund: 6,3 %) |
| Schulabgänger ohne Abschluss | 7,3 %, etwas besser als der Bundesdurchschnitt |
Das Bild ist also gemischt. Eindeutig ist der Befund bei den Neuntklässlern: Ihre Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften liegen unter dem Durchschnitt.
Wie reagiert die Politik in NRW?
Der Landtag hat beide Studien am 17.09.2026 in einer Aktuellen Stunde diskutiert. Die Positionen im Überblick:
- Landesregierung: Feller räumt ein, die Ergebnisse seien nicht zufriedenstellend. Sie setzt auf den „Schulkompass 2030“, darunter mehr Förderung von Lesen, Schreiben und Rechnen, zusätzliche Lernstandserhebungen und ABC-Klassen zur Sprachförderung vor der Einschulung. Einen schnellen Kurswechsel lehnt sie ab. Solche Veränderungen könnten sich laut WDR nicht innerhalb weniger Jahre in Schulleistungsstudien niederschlagen. Seit Beginn der Legislaturperiode arbeiteten mindestens 12.600 zusätzliche Menschen im Schulsystem.
- SPD: Sie fordert ein Sofortprogramm über 500 Millionen Euro in fünf Jahren, unter anderem mit kostenloser Lernförderung und Lehramtsstudierenden für Förderstunden. Fraktionschef Jochen Ott sagte laut Kölner Stadt-Anzeiger, Reformen kämen für Jugendliche in der siebten, achten und neunten Klasse zu spät.
- FDP: Sie fordert ein „Chancen-Sofortprogramm“ mit Förderung in kleinen Gruppen und den Ferien als zusätzlicher Lernchance. Außerdem fordert sie landesweite Sommerschulen.
Für Eltern heißt das: Ein beschlossenes Sofortprogramm gibt es nicht. Wer bei seinem Kind Lücken sieht, muss nicht auf politische Entscheidungen warten, sondern kann jetzt selbst anfangen.
Was bedeutet das für mein Kind?
Durchschnittswerte beschreiben ein ganzes System, nicht Ihr Kind. Wichtig ist der Blick auf das, was Ihr Kind tatsächlich kann. In der Förderung sehe ich häufig, dass Lücken im Basiswissen erst auffallen, wenn der Stoff aufeinander aufbaut, also oft in Klasse 5 bis 9. Auch OECD-Generalsekretär Mathias Cormann nennt als Merkmal erfolgreicher Bildungssysteme, dass sie die Eltern einbeziehen.
Lesen und Mathe hängen enger zusammen, als viele denken. FDP-Politikerin Franziska Müller-Rech schreibt in ihrer Pressemitteilung: „Wer eine Textaufgabe nicht versteht, kann sie nicht ausrechnen.“ In der Förderung sehe ich oft, dass hinter einer vermeintlichen Mathe-Schwäche eine Leseschwäche steckt.
Woran Sie fehlendes Basiswissen früh erkennen
Lesen:
- Ihr Kind liest langsam und stockend.
- Es liest Texte, kann den Inhalt aber kaum wiedergeben.
- Beim Vorlesen lässt es Wörter oder Endungen aus.
- Es weicht dem Lesen aus oder wirkt bei Hausaufgaben schnell erschöpft.
Mathe:
- Es zählt in höheren Klassen noch mit den Fingern ab.
- Es lernt Rechenwege auswendig, scheitert aber bei leicht veränderten Aufgaben.
- Es verwechselt Rechenarten.
- Es kann Textaufgaben nicht in eine Rechnung übersetzen.
Das sind Hinweise, keine Diagnose. Ob eine Lese-Rechtschreib-Störung oder eine Rechenschwäche vorliegt, klären nur Fachstellen.
Was können wir in den Herbstferien in 10–15 Minuten täglich üben?
Die Herbstferien in NRW laufen vom 17. bis 31.10.2026 (Termine bitte bei der Schule prüfen). Ich empfehle: kurz, täglich, ohne Notendruck. Das ist die Idee hinter „Lerne smart, nicht hart“. Ein Plan für eine Woche, getrennt nach Alter:
| Tag | Klasse 3–6 | Klasse 7–9 |
|---|---|---|
| 1–2 | Vorlesen im Wechsel: Sie lesen einen Absatz, Ihr Kind den nächsten. Danach erzählt es in zwei Sätzen, was passiert ist. | Einen kurzen Zeitungs- oder Online-Artikel lesen und in drei Sätzen zusammenfassen. Unbekannte Wörter markieren und gemeinsam klären. |
| 3 | Silben klatschen und Blitzlesen: zehn Wörter auf Kärtchen, so schnell wie möglich lesen. | Fachbegriffe aus einem Schulfach auf Karteikarten schreiben und mit eigenen Worten erklären. |
| 4 | Alltagsmathe: Einkauf überschlagen, Uhr- und Fahrzeiten berechnen. Das Kind erklärt laut, wie es rechnet. | Prozente im Alltag: Rabatte, Preise, Angebote vergleichen. Das Kind erklärt den Rechenweg. |
| 5 | Textaufgabe zuerst nacherzählen, dann zeichnen, erst dann rechnen. | Eine Textaufgabe in Teilschritte zerlegen: Was ist gegeben? Was ist gesucht? Welche Rechnung passt? |
| 6 | Kopfrechnen in Spielform, zum Beispiel mit Würfeln oder Karten. | Eine Aufgabe aus der letzten Klassenarbeit noch einmal rechnen und den Fehler selbst finden. |
| 7 | Pause und ein Buch nach Wahl. | Pause und ein Buch oder Text nach Wahl. |
Wenn Ihr Jugendlicher bei Tag 5 oder 6 immer wieder an denselben Stellen hängt, notieren Sie diese Stellen. Sie sind eine gute Grundlage für das Gespräch mit der Lehrkraft.
Welche Fragen stelle ich beim Elternsprechtag?
Den Termin des Elternsprechtags erfahren Sie bei der Schule Ihres Kindes in Herne. Bereiten Sie drei bis fünf Fragen vor, das macht das Gespräch konkret:
- In welchen Bereichen von Mathe und Deutsch steht mein Kind sicher, wo nicht?
- Gibt es Lernstandserhebungen oder Ergebnisse, die ich sehen darf?
- Welche Förderangebote gibt es an der Schule, und kommt mein Kind dafür infrage?
- Was kann ich zu Hause konkret üben, und was besser lassen?
- Ab wann sollten wir eine Lernstandsdiagnose oder externe Unterstützung erwägen?
Wo gibt es Hilfe, wenn die Lücken größer sind?
Wenn Sie nach den Ferien merken, dass Üben allein nicht reicht, ist früh gezielte Unterstützung sinnvoller als spätes Aufholen. Bei Lernen mit Nadia in Herne (Castroper Straße 330) fördern wir in Mathe, Deutsch und Englisch, mit Lerncoaching sowie Dyskalkulie- und LRS-Förderung. Einen ersten Überblick geben die Seiten zur Mathe-Nachhilfe und zur Deutsch-Nachhilfe in Herne. Berechtigte Familien (Bürgergeld, Wohngeld, Kinderzuschlag, Sozialhilfe) können Lernförderung über Bildung und Teilhabe vollständig erstattet bekommen. Ob Sie Anspruch haben, klären das Jobcenter oder die Stadt Herne. Wir helfen beim Antrag, Infos finden Sie unter Bildung und Teilhabe in Herne. Sie erreichen uns unter 0176 30584234 oder hallo@lernenmitnadia.de.
Häufige Fragen
Was misst die PISA-Studie?
PISA ist die Schulleistungsstudie der OECD. Sie testet 15-jährige Schülerinnen und Schüler in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Dabei geht es darum, ob sie ihr Wissen auf Alltagsprobleme anwenden können. 2025 lag der Schwerpunkt auf den Naturwissenschaften.
Wie schlecht schneidet NRW im Bildungsmonitor 2026 ab?
NRW belegt Gesamtrang 14 von 16 Bundesländern. Bei der Schulqualität und der beruflichen Bildung ist es jeweils Rang 15. Stärker ist das Land etwa bei der Zeiteffizienz (Rang 4) und bei der Digitalisierung (Rang 7).
Betrifft das Ergebnis auch Grundschulkinder?
PISA testet 15-Jährige. In der Förderung sehe ich aber häufig, dass Lücken aus der Grundschule später in den Klassen 7 bis 9 wieder auftauchen. Deshalb lohnt sich der Blick auf das Basiswissen in Lesen und Rechnen schon früh.
Wie viel sollte mein Kind in den Herbstferien üben?
10 bis 15 Minuten am Tag genügen, am besten spielerisch und in Alltagssituationen. Ferien sollen Erholung bleiben. Wichtiger als die Menge ist die Regelmäßigkeit.
Kann Nachhilfe über Bildung und Teilhabe bezahlt werden?
Ja, für berechtigte Familien kann die Lernförderung vollständig übernommen werden. Ob Sie Anspruch haben und wie der Antrag läuft, klären Sie mit dem Jobcenter oder der Stadt Herne. Wir unterstützen Sie beim Ausfüllen.
Quellen
- PISA 2025: Lese- und Mathematikleistungen der Schüler*innen im OECD-Durchschnitt deutlich gesunken (OECD, 08.09.2026)
- PISA 2025 Ergebnisse (Band I – Auszugsweise Übersetzung) (OECD, 08.09.2026)
- PISA-Studie und die Zukunft der Bildung (Landtag NRW, 17.09.2026)
- Schulministerin Feller verteidigt Kurs für NRW-Schulen (WDR, 17.09.2026)
- Ministerin Feller: PISA mahnt uns, konsequent weiter voranzugehen (Land.NRW, 08.09.2026)
- INSM-Bildungsmonitor 2026: Bildungsstand, Bildungschancen und Bildungsmobilität (INSM, 14.09.2026)
- NRW gehört bei Bildungsstudie zu Schlusslichtern (WELT/dpa, 14.09.2026)
- Was der Bildungsmonitor 2026 über Nordrhein-Westfalen sagt (Kompetenzzentrum Berufliche Orientierung, 15.09.2026)
- Müller-Rech (FDP): Wir brauchen ein Chancen-Sofortprogramm für die PISA-Generation (FDP-Landtagsfraktion NRW, 17.09.2026)
- Opposition im Landtag fordert Sofort-Programm für Schüler (Kölner Stadt-Anzeiger, 17.09.2026)